Wiedersehen mit den Wandgemälden
Zunächst stand ein Rundgang durch die Schule auf dem Programm: Abel Morejón Galá besichtigte die Wandgemälde, die im Jahr 2018 gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gestaltet worden waren. Dabei wurde schnell spürbar, wie viel Erinnerung und gemeinsame Arbeit in den Bildern steckt – und wie sehr Kunst auch Jahre später noch verbindet. Im Jahr 2020 besuchte eine Schülergruppe aus Bad Driburg Abel in Kuba und gestaltete gemeinsam mit den kubanischen Schülerinnen und Schlern von Abel dort ein Wandgemälde. Einzelne Schülerinnen und Schüler aus dieser Gruppe haben immernoch Kontakt zu Abel.
Begrüßung und Austausch mit der 10a
Simon Tewes begrüßte den Künstler als Schulleitung und hieß ihn herzlich an der Schule willkommen. Anschließend nahm sich Abel Zeit für eine Fragerunde mit der Klasse 10a. Die Schülerinnen und Schüler stellten viele interessierte Fragen und nutzten die Gelegenheit, direkt von jemandem zu hören, wie der Alltag in Kuba aktuell aussieht. Frau Riebler übersetzte die Fragen und Antworten.
Einblicke in den Alltag in Kuba
Besonders bewegte die Jugendlichen die Lebenssituation der Menschen in Kuba. Abel berichtete, dass es dort häufig nur vier bis fünf Stunden Strom pro Tag gibt. Für die Klasse war das kaum vorstellbar: Wie kann man den Alltag organisieren, wenn Licht, Kochen, Kommunikation oder das Laden von Geräten oft nur eingeschränkt möglich sind?
Im Gespräch kam auch zur Sprache, dass die Stromlage im Tourismus teilweise anders ist. In touristischen Bereichen gebe es oft mehr Strom, weil Kuba wirtschaftlich stark vom Tourismus lebt. Abel stimmte der Klasse zu, dass das eigentlich ungerecht sei, zugleich müsse das Land aber wirtschaftlich denken, um Einnahmen zu sichern.
Heimat, Familie und Auswanderung
Auch das Thema Auswanderung spielte eine Rolle. Abel erzählte, dass vor allem viele junge Menschen Kuba verlassen, weil sie auf bessere Chancen hoffen. Er selbst betonte jedoch, wie wichtig ihm seine Heimat ist – und vor allem seine Familie. Trotz der schwierigen Situation möchte er bleiben und seinen Weg dort weitergehen.
Kultur, Essen und ein Blick in die Politik
Natürlich interessierten sich die Schülerinnen und Schüler auch für typisch kubanisches Essen und Getränke. Abel nannte Reis mit Bohnen (arroz con frijoles) als klassisches Gericht, sagte aber auch, dass er das in Deutschland nicht unbedingt vermisst – denn ihm schmecke deutsches Essen sehr gut und er probiere gern vieles. Das Kubanische Nationalgetränk ist natürlich der Rum, mit den bekannten Cocktail-Klassikern Mojito und Cuba Libre.
Zum Schluss ging es zudem um die aktuelle politische Lage und das Verhältnis zu den USA. Abel berichtete, dass er zuletzt eine Ausstellung in den USA hatte, aber nicht einreisen durfte, weil er Kubaner ist. Er konnte lediglich seine Bilder schicken – ein Beispiel dafür, wie stark politische Rahmenbedingungen persönlichen Austausch beeinflussen können. Nach den Ereignissen in Venezuela ist er besorgt und hofft, dass die Situation nicht weiter eskaliert.
Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll direkte Begegnungen sind: Kunst wurde hier zum Anlass, um Fragen zu stellen, zuzuhören und eine Lebensrealität kennenzulernen, die weit über das hinausgeht, was man sonst nur aus Nachrichten erfährt.
Schulleiter Simon Tewes resümiert: „Wir freuen uns, dass Abel uns in Bad Driburg besuchen kommt und hoffen ein weiteres Kunstprojekt mit ihm umsetzten zu können. Der internationale kulturelle Austausch ist für uns als Schule ein sehr wichtiger Aspekt. Für mich war auch Abels Perspektive auf die Ereignisse in Mittelamerika sehr bereichernd.“